Installation von Linux auf dem Notebook Dell Vostra 1710

Willemers Informatik-Ecke

Das Dell Vostro 1710 ist ein 17-Zoll-Notebook für den Business-Bereich. Man kann es allerdings auch als Privatkunde bestellen. Dell ermöglicht dem Kunden eine weitgehende Wahl der Komponenten, so dass nicht jedes Vostro 1710 so konfiguriert ist wie meines.

Es wurde ein Ubuntu 8.04 mit GNOME als Desktop und ein OpenSUSE 11.0 mit KDE 3 installiert. OpenSUSE 11.0 ist etwas neuer als Ubuntu.

Kauf des Notebooks

Dell bietet auch Linux-Notebooks an. Zu den Angeboten im Internet gehörte aber leider kein 17-Zoll-Gerät. Ich hörte später, dass es durchaus möglich sei, auch andere Konfigurationen zu bekommen, wenn man per Telefon bestellt. Es mag sein, dass man so auch ein Vostro 1710 mit vorinstalliertem Linux erhalten kann.

Wer per Telefon bestellt, sollte auch darauf drängen, einen Intel-WLAN-Chip statt des Broadcom-Chips zu bekommen. Das erspart jede Menge Ärger.

Meine Konfiguration laut Rechnung:

CPU: Intel Celeron 550 (2.0 GHz, 533MHz)
Display: WUXGA 1920x1200
Hard Drive: SATA 80GB 2. Schacht frei
Grafic: Intel Integrated GMA X3100
WLAN: Dell Wireless 1395 (Broadcom BCM 4310)

Wer den Vorteil zweier Festplatten nutzen will, sollte gleich beim Kauf ein Gerät mit zwei Platten bestellen. Ansonsten fehlt das Flachbandkabel, das die zweite Festplatte mit dem Controller verbindet.

Vorbereitungen

Zunächst wird die Installation von Ubuntu gestartet. Der Blick auf die Partitionstabelle zeigt drei Partitionen. Eine ca. 100 MB Partition, deren Typ de für Dell Utility steht. Es gibt zwei weitere Partitionen, die mit NTFS partitioniert sind. Eine ist etwa 10 GByte groß und die andere nimmt den den Rest der Platte ein.

Da immer das Risiko besteht, dass die Installation nicht funktioniert, lasse ich erst einmal alle Partitionen stehen und verkleinere lediglich die letzte Partition so, dass Platz genug für eine Ubuntu und eine SUSE mit je 20 GB und eine Swap-Partition mit 5 GB bleibt.

Das Verkleinern bereitet kein Problem. Dann wird zunächst eine erweiterte Partition über den kompletten Rest der Platte und darin die drei Linux-Partitionen angelegt. Danach wurden nacheinander Ubuntu und OpenSUSE installiert. Die Installation lief ohne nennenswerte Besonderheiten.

Direkte Erfolge

Wie gewohnt, erkennt Linux die meisten Komponenten selbst und richtet auch die passenden Treiber ein. So funktionieren folgende Komponenten nach der Installation ohne weiteres Zutun:

Netzwerkprobleme mit dem Realtek RTL8111/81688

Sowohl bei Ubuntu als auch bei OpenSUSE ist nach der Installation der Ethernetanschluss scheinbar nicht vorhanden. Es wird nicht einmal ein Device eth0 angezeigt.

Wake me up, before you gogo

In den Foren ist zu lesen, dass die Ethernetkarte beim Herunterfahren von Windows Vista deaktiviert wird. Es heißt dort, dass der Linux-Treiber nicht in der Lage sei, ihn zu aktivieren, so dass im weiteren Ablauf des Bootens der Ethernet-Adapter gar nicht bemerkt wird.

Eine vorgeschlagene Lösung des Problems besteht darin, den Ethernet-Adapter vom BIOS aus zu aktivieren. Das gelingt dadurch, dass man im BIOS einstellt, dass der Computer durch Aktivitäten der LAN-Schnittstelle geweckt werden soll. Damit steht der Ethernet-Anschluss zur Verfügung und wird von Linux beim Booten als erkannt.

Der zweite Workaround liegt darin, unter Windows die Treiberoptionen des Realtek zu bearbeiten. Dort findet sich die Option Wake-on-lan after shutdown, die zu aktivieren ist.

Existent, aber zeitweise lustlos

Nun gibt es ein Interface eth0, dem eine IP-Nummer zugewiesen werden kann. Aber obwohl die Schnittstelle nach Meldung des Befehls ifconfig auch UP ist, gelingt damit keinerlei Kontakt zur Außenwelt, was die Freude am frisch erworbenen eth0 doch stark trübt.

In den Foren finden sich diverse Berichte von Problemen mit der Ethernetkarte wie auch einige Diagnoseversuche. So wurde erklärt, dass das IRQ-Verhalten der aktuellen Dell-Notebooks nicht ganz sauber sei. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Für den praktischen Betrieb hilft die Erkenntnis nicht weiter.

Update hilft! Oder doch nicht?

Da ich kein ordentliches DSL habe, besitze ich als Alternative eine UMTS-Karte. Mit dieser habe ich eine Internetverbindung aufgebaut und dann einen Update von Ubuntu durchgeführt. Dies führte dazu, dass sowohl das LAN als auch das WLAN (siehe unten) funktionierte.

Dasselbe versuchte ich mit OpenSUSE und siehe da, die Ethernetkarte arbeitet, die WLAN-Karte dagegen nicht. An der Kernel-Version kann es nicht liegen, da OpenSUSE bereits vor dem Update eine deutlich höhere Versionsnummer hat als Ubuntu nach dem Update.

Wer keine UMTS-Express-Card besitzt könnte vielleicht per Ethernet-Express-Card oder einem USB-Ethernet-Adapter einen Zugang nach außen bekommen. Da sie nur für den Update gebraucht wird, kann man sich diese vielleicht auch leihen.

Bevor die Ethernetkarte unter OpenSUSE läuft, muss sie noch einmal per Yast konfiguriert werden.

WLAN

Wenn die Ethernetkarte zickig ist, fällt der WLAN-Karte eine besondere Rolle zu. Schade, wenn man dann eine Broadcom BCM4310 besitzt. Damit kommt man so schnell nicht unter die Leute.

Der Broadcom BCM4310 wird derzeit von Linux nicht unterstützt. Oder besser anders herum: Broadcom unterstützt Linux nicht.

Wer klug ist, ordert den Vostro telefonisch und versucht so, einen Intel-WLAN-Chip zu bekommen. Erfahrungsgemäß arbeitet die Intel-WLAN-Chips direkt nach der Installation. Schade, dass ich nicht zu den klugen Leuten gehöre...

Immerhin hat Ubuntu nach dem Update per UMTS-Karte (siehe oben) einen Treiber namens wl installiert, mit dem der Broadcom einwandfrei arbeitete. Dieser Treiber wird als propitiär eingestuft. Es scheint so, dass dieses Modul von Dell kommt. Es steht unter OpenSUSE aber leider nicht zur Verfügung.

Ich entschied mich dennoch zum Kauf einer Intel-WLAN-Mini-PCIe-Karte. Wichtig ist hier das kleine e am PCI, das für PCI Express steht. Der Austausch ist leicht. Man schraubt den größeren Deckel unter dem Notebook auf und sieht dort ganz links den WLAN-Chip.

Wie erwartet, wird die Intel WLAN-Karte sofort von Ubuntu und OpenSUSE erkannt und korrekt konfiguriert. Unter Ubuntu arbeitet sie einwandfrei. OpenSUSE tut sich etwas schwer. Bisher ist es mir zwar gelungen, zu einem offenen WLAN zu verbinden. Mit meinem WPA-Access-Point verbindet das WLAN aber nicht, es fragt nicht einmal nach dem Passwort. Ein weiterer Test mit kubuntu zeigt, dass es wohl nicht am KDE, vielleicht aber an der neueren Version des knetworkmanagers liegen kann.

Card-Reader

Durch den Update scheint der Card-Reader sowohl bei Ubuntu als auch bei OpenSUSE zu laufen.

Sound und Piep

Die Soundkarte arbeitet auf Anhieb problemlos. Leider schaltet der Kopfhörer nicht automatisch den Mono-Lautsprecher ab, den man sowieso nicht wirklich hören will. Es ist auch nicht möglich, in den Software-Mixern einen Schalter dafür umzulegen. Immerhin kann Kopfh&öumlrer und Lautsprecher unabhängig voneinander geregelt werden.

Der System-Piep ist extrem laut, sehr viel lauter als alle anderen Sound-Ausgaben. Ich vermutete zunächst, dass der Piep gar nicht per Soundkarte erzeugt wird und dass er vielleicht im BIOS leiser gestellt werden kann. Eine solche Einstellung habe ich aber nicht gefunden.

Zu meinem Erstaunen wird er auch über einen angeschlossenen Kopfhörer geleitet. Damit unterliegt er tatsächlich der Lautstärkeregelung des Ubuntu. Leider lässt er sich aber nicht getrennt von den anderen Soundquellen regeln, so dass man immer noch einen Schreck bekommt, wenn er ertönt.

Unter Ubuntu kann man glücklicherweise unter System -> Einstellungen ->Audio-Einstellungen einen Assistenten aufrufen, der unter Systemsignalton die Option anbietet, den Signalton visuell darzustellen. OpenSUSE bietet im Mixer einen eigenen Regler für den Piep an. So kann ich das Notebook auch nachts betreiben. Es sollte nur nicht in der Boot-Phase zu einem Systempiep kommen.

Kein guter Schlaf

Direkt nach der Installation funktioniert weder Suspend to Disk noch Suspend To RAM. Beim Zuklappen des Deckels wird wie üblich der Bildschirm abgeschaltet. Das funktioniert immerhin einwandfrei. Da ich Suspend fast nie brauche, habe ich danach nicht weiter geforscht.

ACPI

Das Notebook liefert die korrekten Informationen zur Batterieverwaltung. Die Temperaturinformationen sind allerdings mit acpi -t nicht abfragbar.

Tasten und Kontrolllampen

Die Kontrollleucht für WLAN brennt unter Linux nie. Erwartungsgemäß arbeiten die Kontrollleuchten für Num-Lock und Caps-Lock.

Das DVD-Laufwerk ist ein Slot-In-System. Das ist natürlich supercool, dürfte aber Schwierigkeiten mit den Mini-CDs haben. Die Auswurftaste arbeitet einwandfrei.

Die Lautstärketasten wirken direkt auf den Lautstärkeregler von Linux. Auch die Helligkeitstasten funktionieren tadellos.

Links

Weitere Hinweise zu Laptops und Notebooks unter Linux:

tuxmobil.de von Werner Heuser
tuxmobil.org die internation ale Version
repair4laptop.org Reparaturanleitungen


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