UMTS-Notebook-Karten unter Linux

Willemers Informatik-Ecke

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Heutzutage werden UMTS-Karten von Linux in der Regel als Interfaces zum Internet automatisch erkannt. Die Desktops stellen Assistenten zur Verfügung, um diese bequem einzurichten. Der folgende Artikel könnte aber für einige spezielle Installationen oder für einige Hintergrundinformationen nützlich sein. Darum bleibt er hier stehen.
Wer in den DSL-freien Zonen Deutschlands wohnt, dem fehlt nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Möglichkeit, eine bezahlbare Flatrate zu bekommen. Deutlich billiger als eine ISDN-Flatrate ist da allerdings ein UMTS-Vertrag, auch wenn dort flat nicht immer wirklich flat ist.

Wer den Zugang zum Internet mit Linux sucht, sollte von den angebotenen Adaptern eine Express-Card-Lösung wählen. Diese können in UMTS-Router gesteckt werden und ermöglichen so den Zugang zum UMTS über den Netzwerkanschluss. Die angebotenen USB-Lösungen dürften jedenfalls deutlich problematischer zu konfigurieren sein.

Die folgende Beschreibung zeigt, wie eine UMTS-Karte direkt im Notebook angesprochen wird.

Die Karte

Bei Vertragsabschluss erhät der Kunde eine PCMCIA-Karte oder eine ExpressCard. Beide sind zum Einstecken in ein Notebook gedacht. Sie haben aber auch den Vorteil in die gängigen UMTS-Router zu passen.

PCMCIA wird in den aktuellen Notebooks immer seltener, so dass sich eine ExpressCard empfielt. Diese kommt oft mit einem PCMCIA-Adapter.

Ich habe bisher mit zwei unterschiedliche Kartentypen zu tun gehabt. Prinzipiell werden beide gleich eingebunden. Sie melden sich allerdings unter verschiedenen Gerätetreibern. Welche Gerätetreiber eingerichtet werden, sieht man an der Datei /var/log/messages beim Einstecken der Karte. Mit dem folgenden Befehl kann man diese beobachten:

tail -f /var/log/messages

Hier meldet sich entweder das Device ttyUSB0 oder noz0. Der Befehl lässt sich mit Strg-C beenden.

In beiden Fällen ist es das einfachste, das Device /dev/modem als einen symbolischen Link auf das neu erschienene device zu legen. Die meisten Einwahlprogramme erwarten ein klassisches Modem und verwenden entweder das Device /dev/modem oder die klassischen seriellen Anschlüsse.

ln -s /dev/ttyUSB0 /dev/modem

PIN absetzen

Um die Karte zu verwenden, muss sie wie ein Mobiltelefon mit einer PIN freigeschaltet werden. Die PIN wird mit Hilfe eines AT-Kommandos an die Karte übermittelt. Auch hier verhält sich die UMTS-Karte also wie ein klassisches Modem. Die PIN wird einfach mit dem Befehl echo an die Karte übermittelt:

echo "AT+CPIN=1234" > /dev/ttyUSB0
Statt der Kombination 1234 sollten Sie Ihre PIN verwenden.

Nach einer Bedenkzeit von etwa 5 Sekunden sollte die Blinkdiode anzeigen, ob sie UMTS oder GPRS empfängt. Dann ist die Karte bereit.

Modemverbindung

Dann muss eine Modemverbindung über die Karte gelegt werden. Das kann bei Ubuntu über System -> Systemverwaltung -> Netzwerk erfolgen. Hier wird die Punkt zu Punkt Verbindung konfiguriert. Unter KDE verwende ich gern das Programm kppp, das aber extra nachinstalliert werden muss. kppp protokolliert jede Einwahl mit Dauer und Volumen, so dass man bei limitierten Karten gut den Verbrauch sehen kann. Es ist auch möglich, den knetworkmanager oder kinternet zu verwenden. Die Parameter sind in etwa gleich. Für Vodafone und T-Mobile werden folgende Parameter angegeben:

VodafoneT-Mobile
Verbindungstyp: Serielles Modem
Telefonnummer: *99#
Benutzername: ppp@A1plus.at t-d1
Passwort: xxx (scheinbar egal) t-d1

Der folgende Link zeigt eine ausführlichere Übersicht.

Bei der Wahl des Modems wird der bereits vorbereitete symbolische Link /dev/modem verwendet.

Gateway und Namensserver (DNS) erhält das Modem bei Verbindung.

Wenn die Anwahl erfolgreich war, sollte der Befehl netstat -i neben anderen das Interface ppp0 zeigen.

Sollte ein Zugriff nicht möglich sein, könnte eventuell die Default-Route nicht auf dem Interface ppp0 liegen. Dann helfen folgende Befehle:

route del default
route add default ppp0

Sollte die Namensauflösung nicht klappen hilft vielleicht ein Blick in die Datei /etc/resolv.conf.

Probleme...

Interessanterweise funktionierte der UMTS-Zugang bei Ubuntu mit dem Wechsel zur Version 9.10 nicht mehr. Besonders ärgerlich war, dass es manchmal klappte, dann wieder nicht.

Inzwischen habe ich herausgefunden, dass meine beiden UMTS-Adapter immer funktionieren, wenn sie beim Starten des Rechners eingesteckt habe. Dann kann ich sie sogar später wieder herausziehen und in dieser Sitzung wieder einstecken.

Allerdings wurde dabei der Inhalt der /etc/resolv.conf nicht durch den DHCP hergestellt. Die Datei war leer und so gab es keine Namensauflösung. Ich habe für solche Fälle eine Datei /etc/resolv.conf.backup, in der nur eine Zeile steht:

nameserver 213.73.91.35
Der DNS-Server gehört dem CCC in Berlin und wird hoffentlich nicht zensiert. Fehlt der Inhalt der /etc/resolv.conf, kopiere ich schnell die Backup-Datei darüber und der Zugang funktioniert.
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