SUSE-Linux auf Notebook HP Compaq 6720s

Willemers Informatik-Ecke
Der Kandidat: HP Compaq 6720s. Installiert wird OpenSUSE Linux 10.3. Ich habe die DVD verwendet, die der c't beilag.

WLAN: Nichts geht - dank Broadcom

Gleich zu Anfang das Hauptproblem. Bei den leider immer etwas kärglichen Beschreibungen im Online-Shop hatte ich gesehen, dass es sich um einen Intel-WLAN-Adapter handeln solle. Diese installieren sich in der Regel problemlos. Ich musste aber feststellen, dass es sich um einen Broadcom handelt. Ich vermute inzwischen, dass es zwei Versionen dieses Notebooks gibt. Wenn Sie Linux benutzen wollen, sollten Sie sich eine Broadcom-Version nicht antun.

Wie es läuft: Austausch!

Die beste Empfehlung ist, den WLAN-Chip ausbauen, im hohen Bogen wegzuwerfen und einen unterstützten Chip einzubauen. Das sollte nicht wirklich schwierig sein, weil der Zugang von unten leicht zugänglich ist. Ein miniPCI-WLAN-Adapter kostet nicht viel.

Leider scheint mir die Größe nicht den miniPCI-Adaptern zu entsprechen, die ich bisher kennengelernt habe. Was immer für eine schmale Karte drinsteckt. Sie lässt sich nicht gegen eine gängige miniPCI-Karte austauschen.

Es ist ein bedauerlicher Rückschritt, dass HP Broadcom verbaut. Immerhin tut HP ja so, als würden Sie die Linux-Szene unterstützen. Eine wirkliche Unterstützung wäre es, Broadcom dazu zu bringen, dass sie die Geheimniskrämerei um ihre Karten aufgibt.

Wie es laufen sollte: bcm43xx

Auf diversen Seiten im Internet werden Versuche beschrieben, die dazu beitragen sollen, den Broadcom dazu zu bringen, dass er seine Arbeit aufnimmt.

Bisher hat keiner dieser Wege bei mir funktioniert.

Die Hoffnung ruht auf einem Treiber namens bcm43xx, der von OpenSUSE auch automatisch eingebunden wird. Leider fehlt dem zum Laufen die Firmware. Diese wird von Broadcom nicht zur Verfügung gestellt. Ja, es ist sogar illegal, sie ins Netz zu stellen. Es gibt aber diverse Vorschläge, die Firmware aus den Windows-Treibern herauszuholen.

Dieses Verfahren funktioniert nicht für alle Broadcom-Bausteine. Bei einigen Versionen kann es sein, dass sie dann nur noch nach 802.11b mit 11 MBit/s arbeiten. Der Baustein im HP 6720s ist ein BCM????? Bei diesem Chip funktioniert es derzeit (Stand 01/2008 definitiv nicht.

Firmware aus dem Windowstreiber herausschneiden

Wenn eines Tages der bcm43xx laufen sollte, wird er vermutlich Firmware verlangen. Das Jammern des Treibers kann man sehr schön der Protokolldatei /var/log/messages entnehmen. Um die Firmware zu erhalten, muss sie einem Windows-Treiber entnommen werden.

Einen Treiber für Windows aus dem Netz holen:

http://downloads.openwrt.org/sources/broadcom-wl-4.80.53.0.tar.bz2

Für b43legacy und bcm43xx eignet sich eher folgende Quelle:

http://downloads.openwrt.org/sources/wl_apsta-3.130.20.0.o

Nun wird die Firmware ausgeschnitten.

bcm43xx-fwcutter -w /lib/firmware wl_apsta-3.130.20.0.o
Wie gesagt: Beim HP 6720s liefen alle diese Versuche in die Sackgasse.

Verwendung des Windows-Treibers: ndiswrapper

Diverse Seiten schlagen vor, mit dem ndiswrapper zu arbeiten. Mit den Treibern, wie sie auf meinem Gerät auf der Vista-Partition vorliegen, ist dieser Versuch kläglich gescheitert.

...aber...

ndiswrapper, die zweite: Wir sind drin!

Was passiert, wenn man mit dem ndiswrapper auf den Treiber von Windows XP losgeht? Man ist drin! Allerdings auf einem politisch äußerst unkorrektem Weg. Und so geht es:

Erst einmal auf die Website von Hewlett-Packard wechseln. Dort suchen Sie nach dem Download von Treibern für Windows XP (Professional). Vista bringt uns nicht weiter! Die Datei ist eine EXE-Datei, die in Wirklichkeit ein selbstentpackende Archiv ist. Auf diese Weise ziehen wir jede Menge Datenmüll über die Leitung. Was wir brauchen, ist nämlich wesentlich kleiner.

Windows oder wine hilft auspacken
Nun starten wir die EXE-Datei. Dazu kann man einen Windows-Rechner benutzen. Wer so etwas nicht hat, installiert das Programm wine unter Linux und startet damit die heruntergeladene EXE-Datei. Das Teil will installieren und packt dazu das Archiv aus. Danach stirbt die Anwendung. Aber mehr wollten wir ja gar nicht.

Im Verzeichnis .wine/drive_c/SWSetup/SP36684A finden sich die interessanten Dateien.

ndiswrapper
ndiswrapper installieren und als root in das Verzeichnis mit dem Treiber wechseln. Dort wird die inf-Datei als Parameter für den Aufruf gebraucht.

ndiswrapper -i bcmwl5.inf

Nun ist der Windows-Treiber in ndiswrapper eingewickelt. Der ndiswrapper selbst muss nun als Treiber aktiviert werden. Vorher kann man aber den Treiber bcm43xx entfernen. Er stört nur.

rmmod bcm43xx

Mit dem Befehl modprobe wird der ndiswrapper eingebunden.

modprobe ndiswrapper

Kleiner Ausflug in den YAST
Im YAST wird die Netzwerkkarte neu konfiguriert. Wählen Sie die WLAN-Karte aus und klicken Sie Konfigurieren an. Dann wählen Sie die Lasche Hardware und ändern Sie den Modulname von bcm43xx auf ndiswrapper (einfach eintippen).

Prüfen Sie, ob bcm43xx wirklich weg ist: lsmod | grep bcm43xx

Prüfen Sie, ob ndiswrapper wirklich läuft: lsmod | grep ndiswrapper

Nun starten Sie das Netzwerk neu:

rcnetwork restart

Nun dürfte der KNetworkmanager neu gestartet sein. Drahtlose Netzwerke müssten nun auftauchen und anwählbar sein.

So lief es bei mir...

Nach drei Tagen, vielen Fehlversuchen, dem Durchlesen von Google und zwei Litern Schweiß und Tränen habe ich es geschafft. Es mag sein, dass es eleganter geht. Es mag sein, dass ein Schritt überflüssig ist. Für Hinweise bin ich empfänglich.

LAN: Problemlos

Immerhin funktioniert der normale Ethernet-Controller auf Anhieb. Auf diesem Weg erreichen Sie auch die Möglichkeit, bei der Installation bereits auf Online-Quellen zuzugreifen. Dazu sollten Sie dann aber auch über einen schnellen Internet-Zugang verfügen.

Grafik: 1280x800 mit Beschleunigung

Bei der Installation können Sie die Hardwarebeschleunigung der Grafikkarte einschalten. Das Notebook arbeitet damit einwandfrei. Allerdings sind die Geschwindigkeiten, die damit erreicht werden, nicht aufregend. Hier die Ergebnisse von glxgears:

hp> glxgears
2311 frames in 5.0 seconds = 462.148 FPS
2379 frames in 5.0 seconds = 475.786 FPS
2306 frames in 5.0 seconds = 461.002 FPS
2151 frames in 5.0 seconds = 430.137 FPS
2333 frames in 5.0 seconds = 466.409 FPS
hp>

Touchpad

Das Touchpad funktioniert auf Anhieb. Einziger Missklang: Wer mit 10 Fingern schreibt, hat den Daumenballen immer auf dem Touchpad. Warum probiert das eigentlich nie jemand aus, bevor das Gerät in Serie geht?

Also sollte man eine Maus anschließen und das Touchpad ausschalten:

synclient TouchpadOff=1

SD-Card Slot

Vorn rechts neben dem Lautsprecher- und Mikro-Anschluss befindet sich ein Slot für das Auslesen einer SD-Karte. Und sie funktioniert auf Anhieb!

Suspend

Suspend to Disk dauert einen Moment und der Rechner legt sich schlafen. Nach dem Wiedereinschalten wird das Bootmenü (GRUB) übergangen und man landet da, wo man aufgehört hat.

Das Zuklappen des Deckels unterbindet in jedem Fall die Beleuchtung des Displays und der Bildschirm wird gesperrt. Durch Eingabe des Passworts gelangt man wieder an die alte Stelle. Alternativ kann man auch in den Anmeldebildschirm wechseln.

Suspend to RAM hat keine Wirkung.

ACPI

ACPI scheint zu funktionieren. Der Lüfter ist fast unhörbar. Der Befehl acpi -V liefert die Information über fünf thermische Fühler, den Ladezustand der Batterie und ob das Gerät am Stromnetz angeschlossen ist.

Links

Weitere Hinweise zu Laptops und Notebooks unter Linux:

tuxmobil.de von Werner Heuser
tuxmobil.org die internationale Version


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